Giora Feidman

Quelle: Wikipedia

Quelle: Wikipedia
Giora Feidman – Der „König des Klezmer“ und seine singende Klarinette
Wie Giora Feidman die Klezmer-Klarinette zur Weltsprache der Versöhnung machte
Giora Feidman, 1936 in Buenos Aires geboren, gilt als der charismatischste Botschafter der Klezmer-Musik. Der argentinisch-israelische Klarinettist hat die jüdische Volksmusik in die großen Konzertsäle getragen, ihr eine moderne, grenzüberschreitende Stimme gegeben und Generationen von Hörerinnen und Hörern berührt. Seine Musikkarriere verbindet Virtuosität, Bühnenpräsenz und künstlerische Entwicklung zu einem unverwechselbaren Signature-Sound, der Tradition, Klassik, Jazz und Tango zu einem poetischen Ganzen verschmilzt. Weltweit kennt man ihn als „König des Klezmer“ – ein Ehrentitel, der auf unzähligen Konzerten, prägenden Aufnahmen und einer beispiellosen kulturellen Wirkung gründet.
Biografie: Von Buenos Aires nach Israel – eine Klarinette findet ihre Stimme
Feidman entstammt einer Familie von Klezmorim; bereits Vater, Großvater und Urgroßvater spielten als Hochzeits- und Festmusiker. Früh begleitet er seinen Vater zu Auftritten, verinnerlicht Repertoire, Phrasierung und das klangliche Idiom der osteuropäisch-jüdischen Musik. Nach Studienjahren in Buenos Aires wird er mit nur 18 Jahren Klarinettist am Teatro Colón – ein außergewöhnlicher Startpunkt, der seine technische Reife und seine musikalische Disziplin dokumentiert. 1956 emigriert er nach Israel und wird jüngstes Mitglied des Israel Philharmonic Orchestra, dem er fast zwei Jahrzehnte lang angehört. Diese klassische Schule prägt Intonation, Atemführung und Tonkultur – Bausteine seiner späteren Klezmer-Ästhetik.
Karriereverlauf: Vom Orchesterpult zur Solistenlaufbahn
In den frühen 1970er-Jahren schlägt Feidman das Kapitel als Solist auf. Er gastiert mit renommierten Klangkörpern und Ensembles, u. a. Berliner Symphoniker, Kronos Quartet, Polish Chamber Philharmonic, Münchner Rundfunkorchester und Münchener Kammerorchester. 1974 schreibt Misha Segal ein Klarinettenkonzert für Feidman – ein Ausweis der künstlerischen Autorität des damals bereits gefeierten Virtuosen. Der Durchbruch beim breiten Publikum gelingt endgültig, als seine Klarinette in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ zentrale Soli beisteuert. Der Klang dieser Soli – klagend, menschlich, tröstend – wird zum Sinnbild einer Musik, die Historie erinnerbar und Empathie hörbar macht.
Diskographie und Meilensteine: Von „The Incredible Clarinet“ bis „Revolution of Love“
Feidmans Diskographie dokumentiert eine kontinuierliche, detailverliebte Arbeit an Klang, Repertoire und Produktion. Frühe Alben wie „The Incredible Clarinet“, „Viva el Klezmer“ oder „The Magic of the Klezmer“ markieren die Rückeroberung des Klezmer-Repertoires für die internationale Konzertbühne. Spätere Aufnahmen erweitern die stilistische Landkarte: Tango-Adaptionen („Clarinetango“), kammermusikalische Projekte und Crossover-Programme zeigen ihn als Grenzgänger zwischen Genres. Seine Mitwirkung an der Musik zu „Schindlers Liste“ verschafft der Klarinette eine ikonische Rolle im kollektiven Gedächtnis. Neuere Programme wie „Friendship“ und „Revolution of Love“ bündeln sein menschenverbundenes künstlerisches Ethos – Musik als Brücke und als Einladung zu Dialog, Mitgefühl und Hoffnung.
Stil und Klangsprache: Atem, Melodie, Erzählen
Feidmans Spielästhetik vereint die expressive Ornamentik der Klezmer-Tradition mit der Präzision klassischer Tonbildung. Charakteristisch sind sein innig gesungener Ton, flexible Agogik, fein schattierte Dynamik sowie die Kunst des „Krekhts“ – jene klangliche Geste, die eine Linie wie ein Seufzen färbt. In der Komposition und im Arrangement sucht er narrative Bögen: Themen werden wie Figuren eingeführt, variiert, in Dialoge gestellt. Produktionen und Live-Interpretationen zeigen ihn als Gestalter, der Formbewusstsein und improvisatorische Freiheit verbindet. Dadurch wirken seine Konzerte wie Erzählungen in Tönen – mit dramaturgischen Zäsuren, Spannungsaufbau und kathartischen Kulminationen.
Kollaborationen und Ensembles: Von Kammermusik bis Crossover
Sein Netzwerk reicht von klassischen Orchestern bis zu kammermusikalischen Formationen und Weltmusik-Ensembles. Gastspiele mit dem Kronos Quartet oder Kooperationen mit Ensembles wie den Gitanes Blondes, dem Rastrelli Cello Quartett oder wechselnden Klezmer-Formationen illustrieren seine Offenheit für neue Klangfarben. Diese Kollaborationen erweitern die Arrangements – mal durch cello-samtige Legati, mal durch akzentuierte Akkordeonfarben oder Tango-Grooves – und lassen die Klarinette als Leitstimme über einer farbigen Textur schweben. Die Bühnenpräsenz Feidmans bildet dabei das Zentrum: Mimik, Gestik und die unmittelbare Ansprache des Publikums verstärken die Wirkung seiner melodischen Linien.
Kultureller Einfluss, Preise und Anerkennungen
Giora Feidman wurde für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet. Zweimal erhielt er den ECHO Klassik (1997, 2003) in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“. 2001 würdigte ihn der damalige Bundestagspräsident mit dem Großen Bundesverdienstkreuz als „Botschafter der Versöhnung“. Diese Ehrungen spiegeln die Autorität seines Lebenswerks: Feidman hat den Klezmer stilbildend in das internationale Konzertleben integriert und aus einer diasporischen Musiksprache ein global verständliches Idiom der Menschlichkeit geformt. Sein Engagement reicht über die Bühne hinaus – etwa mit Meisterkursen und Seminaren, die die nächste Generation an die Ausdruckskraft der Klarinette heranführen.
Lehrende Erfahrung und Nachwuchsförderung: „Clarinet and Klezmer in the Galilee“
Mit Seminaren und Masterclasses in Israel und Europa vermittelt Feidman Technik, Stilistik und musikalische Haltung. Dabei versteht er „Klezmer“ nicht als museale Tradition, sondern als lebendige Praxis: Atmung als Erzählmotor, Ton als Sprache, Improvisation als Empathie. Diese pädagogische Arbeit zeigt seine Erfahrung in Repertoirekunde, Phrasierung, Ensemblearbeit und Bühnenpsychologie – und sie trägt dazu bei, dass die Diskographie junger Klarinettistinnen und Klarinettisten heute selbstverständlich Klezmer neben Klassik und Jazz verzeichnet.
Aktuelle Projekte 2025–2026: „Revolution of Love“ und „For a Better World“
Auch jenseits der 80 beweist Feidman beeindruckende künstlerische Energie. Unter dem Tourmotto „Revolution of Love“ führt er sein Publikum durch ein dramaturgisch dichtes Programm aus traditionellem Klezmer, Tango-Meisterwerken und neueren Kompositionen. In Kooperation mit dem iranischen Komponisten Majid Montazer entsteht die neue Produktion „For a Better World“ – ein ästhetisches Statement für Frieden, Dialog und Humanität. Die Tour zum neuen Album startet Anfang 2026; die Aufnahmen erscheinen begleitet von ausgewählten Vorveröffentlichungen. Diese Projekte zeigen Feidmans Fähigkeit, künstlerische Vision, kuratorischen Anspruch und gesellschaftliche Relevanz zu bündeln.
Rezeption und Musikpresse: Zwischen Konzertsaal und Kulturfeuilleton
Die Musikpresse würdigt Feidmans Diskographie und Bühnenarbeiten als Brückenschlag zwischen Genres und Generationen. Programmtitel wie „Friendship“, „Revolution of Love“ oder „For a Better World“ sind keine bloßen Etiketten, sondern ästhetische Leitmotive, die er in Produktion und Arrangement konsequent umsetzt. Kritiken heben die kristallklare Artikulation, die emotionalen Steigerungen und den unverkennbaren, „gesungenen“ Ton hervor. Chart- und Verkaufsdaten seiner Veröffentlichungen, Editionen und Wiederveröffentlichungen belegen die anhaltende Nachfrage – von frühen Klassikern bis zu aktuellen Konzeptalben.
Musikgeschichtliche Einordnung: Klezmer-Renaissance als globale Erzählung
Seit den 1980er-Jahren erlebt Klezmer eine weltweite Renaissance. Feidman wurde zu einem ihrer wichtigsten Protagonisten, weil er die Tradition nicht archivarisch konserviert, sondern in die Gegenwart komponiert, arrangiert und interpretiert. Er überträgt idiomatische Verzierungen in die Klangsprache der Klassik, nutzt Jazz-Phrasierung für spontane Dialoge und integriert Tango-Rhythmen als bewegte Unterstimme. Diese Hybridität macht seine Diskographie anschlussfähig: Klezmer wird hier zur musikalischen Erinnerungskultur – und zugleich zur offenen Form, die moderne Hörgewohnheiten anspricht.
Soundästhetik und Produktion: Studio, Bühne, Dramaturgie
Feidmans Produktionen zeichnen sich durch transparente Klangbilder aus: Die Klarinette steht vorn, doch das Ensemble bleibt atmend und präsent. Im Arrangement werden ostinate Begleitmuster, synkopierte Tango-Gestalten und chorische Streicherflächen so gewichtet, dass die Melodie erzählt. Live erzeugt er Intensität durch Pausen, rubato-geschärfte Übergänge und den Wechsel zwischen zarter Lyrik und mitreißender Tanzenergie. Diese klangdramaturgische Handschrift trägt wesentlich dazu bei, dass sein Spiel sofort erkennbar bleibt – ob im Kammermusiksetting, im Orchester oder in filmmusikalischen Kontexten.
Stimmen der Fans
Die Reaktionen der Fans zeigen deutlich: Giora Feidman begeistert Menschen weltweit. Auf Instagram schwärmt ein Hörer: „Diese Klarinette klingt, als würde sie Geschichten atmen.“ Auf YouTube heißt es: „Jeder Ton ist ein Gebet – einer der berührendsten Musiker unserer Zeit.“ Und auf Facebook schreibt eine Konzertbesucherin: „Nach ‚Revolution of Love‘ hatte ich Tränen in den Augen – Musik, die verbindet.“
Fazit: Warum Giora Feidman heute relevanter ist denn je
Giora Feidman ist mehr als ein großer Klarinettist: Er ist ein Erzähler in Tönen, ein Brückenbauer zwischen Kulturen und ein Ausnahmekünstler, der Musik als humanistische Praxis versteht. Seine Musikkarriere, seine Diskographie und seine künstlerische Entwicklung zeigen eine Autorität, die auf Erfahrung, Expertise und Glaubwürdigkeit gründet. Wer seine Konzerte erlebt, spürt die Kraft eines Klangs, der tröstet, aufrüttelt und Hoffnung schenkt. Empfehlung: Erleben Sie Giora Feidman live – die singende Klarinette erzählt Geschichten, die bleiben.
Offizielle Kanäle von Giora Feidman:
- Instagram: https://www.instagram.com/giorafeidman_thekingofklezmer/
- Facebook: https://www.facebook.com/giorafeidmanofficial/
- YouTube: https://www.youtube.com/channel/UC_cepMdv83sM2eETFtt2P0g
- Spotify: https://open.spotify.com/artist/6YJnewrSxxoK4QIRgHp9oz
- TikTok: Kein offizielles Profil gefunden
Quellen:
- Giora Feidman – Offizielle Website
- MACC Management – Revolution of Love (Tourinfo)
- Universum e.V. – Konzertankündigung „Revolution of Love“ (Verschiebung)
- nh24 – Konzert „Revolution of Love“ verschoben (15.02.2025)
- Hamburg Tourismus – „For a Better World“ (Tourstart 2026)
- jpc – Giora Feidman: „For a Better World“ (CD, 2025)
- BuschFunk Shop – „For a Better World“ (MACC Records)
- Wikipedia (DE) – Giora Feidman (Biografie, Diskographie, Auszeichnungen)
- Wikipedia (EN) – Schindler’s List (Musik, Klarinetten-Soli)
- Wikipedia (DE) – Schindlers Liste (Soundtrack)
