Heimsuchung im Kulturforum Fürth: Geschichte wird hörbar


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Heimsuchung: Ein Jahrhundert deutscher Geschichte als eindringliches Live-Hörspiel
Ein Haus am Ufer eines märkischen Sees wird zum stillen Zeugen einer bewegten deutschen Geschichte. In der Inszenierung des Stadttheaters Fürth begegnen sich Literatur, Schauspielkunst und Klang zu einem atmosphärischen Bühnenerlebnis, das Jenny Erpenbecks Roman Heimsuchung in eine unmittelbare theatrale Form überführt.
Ein Haus, das Erinnerungen bewahrt
Vom Glanz der Zwanzigerjahre bis in die Gegenwart verdichtet sich das Schicksal eines Grundstücks zu einem Panorama des 20. Jahrhunderts. Ein Architekt flieht in den fünfziger Jahren in den Westen, ein jüdischer Tuchhändler verliert sein Eigentum, und eine Schriftstellerin erlebt in den siebziger Jahren, wie ihre Enkelin im nun volkseigenen Garten spielt. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hinterlässt Spuren: sichtbar im Raum, verborgen in Erinnerungen und eingeschrieben in die Geschichte.
Wenn Stimmen, Geräusche und Musik zu Figuren werden
Die Regie von Anna-Lena Kühner setzt auf die besondere Kraft des Live-Hörspiels. Stimmen, Geräusche und Musik erzeugen eine dichte Klanglandschaft, in der das Rauschen des Sees, die Atmosphäre des Hauses und die inneren Monologe der Figuren miteinander verschmelzen. Das Bühnenbild von Andreas Braun öffnet einen Resonanzraum zwischen äußerer Architektur und seelischer Erinnerung.
Mit Boris Keil, Janina Zschernig und Jürgen Heimüller entsteht ein vielstimmiges Spiel, das die Grenzen zwischen Literatur und Theater aufhebt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler wechseln zwischen Erzählung, Dialog und akustischer Gestaltung. Daraus entwickelt sich eine konzentrierte Inszenierung, deren Wirkung weniger auf spektakulären Effekten als auf Präzision, Rhythmus und der Macht des gesprochenen Wortes beruht.
Jenny Erpenbecks Roman als poetisches Geschichtspanorama
Jenny Erpenbecks 2008 erschienener Roman zeichnet Lebenslinien nach, die von politischen Umbrüchen, Verlust und gesellschaftlicher Gewalt geprägt sind. Die vielfach ausgezeichnete Autorin verbindet historische Genauigkeit mit einer poetischen, verdichteten Sprache. Heimsuchung erzählt Geschichte nicht aus der Perspektive eines einzelnen Helden, sondern aus den wechselnden Blickwinkeln der Menschen, die einen Ort bewohnen und ihn wieder verlassen.
Über allem steht der zeitlos wirkende Gärtner, der den Garten über Jahrzehnte pflegt. In dieser Figur findet die Dramaturgie ein stilles Gegenbild zur Vergänglichkeit: Während politische Systeme und persönliche Lebensentwürfe verschwinden, bleibt der Ort als Gedächtnis bestehen.
Ein intensives Bühnenerlebnis im Kulturforum Fürth
Das Live-Hörspiel richtet sich an ein Publikum ab 15 Jahren. Die Inszenierung enthält Stroboskopeffekte sowie akustisch dargestellte Szenen von Gewalt und sexualisierter Gewalt. Außerdem werden Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust verhandelt.
Fazit: Heimsuchung verspricht einen konzentrierten Theaterabend zwischen Literaturadaption, Klangkunst und Erinnerungstheater. Wer erleben möchte, wie aus Stimmen, Geräuschen und wenigen sichtbaren Zeichen ein ganzes Jahrhundert entsteht, findet im Kleinen Saal des Kulturforums ein außergewöhnliches Bühnenerlebnis. Karten für die Aufführung am 10. April 2027 sind im Vorverkauf erhältlich.
Offizielle Kanäle von Stadttheater Fürth:
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