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Richtfest am Südende der Fußgängerzone

Woolworth kommt zurück: Fürths Südende bekommt neuen Schwung

Am früheren Woolworth-Gebäude an der Schwabacher Straße 54 in Fürth ist ein zentraler Bauabschnitt erreicht. Beim Richtfest teilte die Ehret+Klein AG mit, der Rohbau des Erweiterungsbaus sei abgeschlossen; im Inneren liefen bereits weitere Arbeiten. Das Gesamtprojekt solle bis Ende 2026 fertiggestellt werden. Die Rückkehr der Woolworth-Filiale sei jedoch früher vorgesehen: Genannt wurde beim Termin ein Zeitraum im Oktober oder Anfang November – und damit rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft.

Das Eckgebäude an Schwabacher Straße und Maxstraße zählt zu den markanten Adressen der Fürther Innenstadt. Errichtet wurde es Mitte der 1950er Jahre nach Plänen des Architekten Hans Paul Schmohl; Teile stehen unter Denkmalschutz. Für die Entwicklung bedeutet das: Der Bestand wird nicht einfach ersetzt, sondern umfassend saniert und umgebaut – mit einer Ergänzung im Innenhof, die sich in die vorhandene Struktur einfügen muss.

Richtfest mit Eigentümer, Entwickler und Bauunternehmen

Zum Richtfest kamen nach Angaben des Unternehmens rund 80 Gäste. Ehret+Klein bezifferte die künftige Gesamtfläche des Projekts auf rund 8.600 Quadratmeter. Eigentümer ist das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Schleswig-Holstein.

Ein logistisches Detail unterstreicht, wie eng die Baustelle im Bestand organisiert werden muss: Als Besonderheit wurde ein tonnenschwerer Kran genannt, der in die Mitte des Gebäudes gehievt worden sei. Damit hätten sich Straßensperrungen vermeiden lassen – ein relevanter Punkt gerade an einer zentralen Innenstadtachse, an der Bauarbeiten schnell Auswirkungen auf Fuß- und Lieferverkehr haben.

Vom Problemstandort zur voll vermieteten Immobilie

Das Vorhaben hat eine lange Vorgeschichte. Über Jahre war das Haus mit Unsicherheit verbunden; Eigentümer wechselten, größere Flächen standen leer. Vor diesem Hintergrund ist der aktuelle Baufortschritt mehr als eine Etappe im Bauzeitenplan: Für die Innenstadt geht es darum, ob ein lange geschwächter Baustein wieder dauerhaft funktioniert.

Nach Angaben der Projektbeteiligten ist das Gebäude bereits zu 100 Prozent vermietet. Für die Wirtschaftlichkeit eines solchen Umbaus im Bestand ist das ein entscheidender Stabilitätsfaktor: Wenn die Flächen schon vor Fertigstellung vergeben sind, sinkt das Vermietungsrisiko – und die Nutzung bekommt früh eine klare Richtung.

Handel unten, „Wohnen auf Zeit“ oben: das Nutzungskonzept

Das Konzept setzt auf zwei Nutzungen, die sich gegenseitig stützen sollen. Im Erdgeschoss und Untergeschoss soll Woolworth wieder einziehen. In den Obergeschossen des Bestands sowie im Innenhof-Neubau sind 100 Serviced Apartments von ipartment geplant; dafür sind rund 3.600 Quadratmeter vorgesehen. ipartment habe die Flächen langfristig angemietet, hieß es beim Termin.

Für den Standort bedeutet dieser Mix: Der Handel sorgt im Idealfall tagsüber für verlässliche Frequenz und Sichtbarkeit, während die Apartments zusätzliche, regelmäßige Nutzung in die oberen Etagen bringen – etwa durch Geschäftsreisende oder Menschen in Übergangsphasen, die Innenstadtlagen suchen. Solche „Zuhause-auf-Zeit“-Angebote funktionieren vor allem dort, wo Wege kurz sind und die Grundversorgung erreichbar bleibt; für den südlichen Eingang der Fußgängerzone könnte das die Nutzungszeiten des Gebäudes über den klassischen Ladenbetrieb hinaus verlängern.

Warum die Stadt auf einen „Frequenzbringer“ setzt

Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung sprach beim Richtfest von einer „großartigen Stärkung für die Innen- und Einkaufsstadt Fürth“. Wirtschaftsreferent Horst Müller nannte das Projekt einen „echten Frequenzbringer für den südlichen Ast der Fußgängerzone“. Gemeint ist damit nicht nur ein einzelner Mieter, sondern die erwartete Wirkung auf Passantenströme – und damit auf Nachbarlagen.

Diese Logik wird auch in der Handelsdebatte über Innenstädte grundsätzlich betont: Der Handelsverband Deutschland verweist darauf, dass der stationäre Einzelhandel zu den zentralen Treibern der Besucherfrequenz gehört und damit für die wirtschaftliche Vitalität von Zentren entscheidend bleibt. Für Fürth ist die Einordnung deshalb politisch wie praktisch bedeutsam – gerade weil beim Termin auch angesprochen wurde, der südliche Abschnitt habe durch veränderte Laufwege an Aufmerksamkeit verloren. Ein bekannter Handelsstandort an prominenter Ecke soll hier wieder einen klaren Anziehungspunkt setzen.

„Stadtreparatur“ im Bestand – und was sie konkret bringt

Michael Ehret ordnete das Projekt städtebaulich als „Stadtreparatur“ ein. Dahinter steht in diesem Fall ein pragmatischer Ansatz: Statt weiterer Leerstände werden frühere Büro- und Ladenflächen teils in ein neues, marktfähiges Nutzungspaket überführt und ergänzt. Nach Darstellung des Projekts entstehe so neuer innerstädtischer Wohnraum auf Zeit, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln – weil der Umbau im bestehenden Gebäude und im Innenhof erfolgt.

Auch die Bauweise wurde als Argument hervorgehoben. ZECH Bau SE (Niederlassung Nürnberg) verwies darauf, dass durch eine vorgeschaltete PreConstruction-Phase ein ursprünglich geplanter Abriss der Innenhofdecke habe vermieden werden können. Nach Unternehmensangaben seien dadurch rund 700 Tonnen Abbruchmasse sowie etwa die gleiche Menge an neuem Material eingespart worden. Übersetzt in die Praxis heißt das: Weniger Rückbau reduziert nicht nur Entsorgungsaufwand und Baustellenverkehr, sondern kann bei komplexen Innenstadtprojekten auch Zeit- und Kostenrisiken dämpfen – vorausgesetzt, die bestehende Substanz lässt sich technisch wie genehmigungsrechtlich sinnvoll integrieren.

Für die südliche Fürther Fußgängerzone ist das Projekt damit aus zwei Gründen relevant: wegen der geplanten Rückkehr von Woolworth als publikumsstarker Ankermieter – und weil die vollständige Vermietung schon in der Bauphase signalisiert, dass das Nutzungskonzept am Markt verankert ist. Bis Ende 2026 soll der Umbau abgeschlossen sein; die erste sichtbare Belebung könnte, wenn der Zeitplan hält, bereits im Herbst mit der Wiedereröffnung des Ladens beginnen.

Häufig gestellte Fragen

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