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Wirtschaftsstandort durch Vernetzung stärken

Walk and Talk in Obermichelbach: So stärken Betriebe den Wirtschaftsstandort

In Obermichelbach stand beim Format „Walk and Talk“ nicht die Selbstdarstellung, sondern der direkte Austausch zwischen Betrieben im Mittelpunkt. Aus Sicht der Regional- und Wirtschaftsförderung des Landkreises Fürth und des Gewerbevereins Obermichelbach ist genau diese unkomplizierte Vernetzung ein Standortfaktor: Wer Nachbarn im Gewerbegebiet kennt, findet schneller Ansprechpartner, kann Kooperationen anbahnen und macht die Leistungsfähigkeit vor Ort sichtbar.

Eingeladen hatten die Regional- und Wirtschaftsförderung des Landkreises Fürth und der Gewerbeverein Obermichelbach zu einem Rundgang durch das Gewerbegebiet Süd. Nach Angaben des Landkreises nahmen zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region teil, ebenso Landrat Bernd Obst, Bürgermeister Bernd Zimmermann und Vertreter des Gewerbevereins.

Direkte Unternehmensbesuche statt langer Vorträge

Der Ansatz von „Walk and Talk“ ist bewusst praxisnah: Betriebe öffnen ihre Türen, zeigen Prozesse im laufenden Betrieb und kommen ohne Konferenzrahmen ins Gespräch. Der Nutzen liegt weniger in Einzelankündigungen als in dem, was im Alltag oft fehlt: kurze Wege zwischen Entscheidern, unmittelbare Einblicke und ein realistisches Bild davon, welche Kompetenzen „nebenan“ vorhanden sind.

Der Rundgang begann am Bauhof Obermichelbach. Bürgermeister Bernd Zimmermann erläuterte dort nach Angaben des Landkreises, warum der neue Standort bewusst im Gewerbegebiet angesiedelt wurde. Ziel sei gewesen, Abläufe effizienter zu organisieren und zugleich den Ortskern zu entlasten. Dahinter steht ein klassisches Standortthema: Wenn kommunale Infrastruktur an gut erreichbaren Orten gebündelt wird, können Logistik, Anlieferung und Verkehrsströme funktionaler gesteuert werden – mit spürbaren Effekten für Betriebe und Anwohner.

Gemeinsame Themen reichen von Effizienz bis Nachhaltigkeit

Anschließend führte der Rundgang zu mehreren Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Bei Nico Kunststoffe und FRAKU Kunststoffe standen moderne Kunststofflösungen im Mittelpunkt. Diskutiert wurden dabei auch Nachhaltigkeitsfragen und Herausforderungen, mit denen die Branche derzeit umgehen muss. In der Praxis bedeutet das für viele Betriebe, Materialeinsatz, Produktanforderungen und Wirtschaftlichkeit zusammenzudenken – etwa wenn Kunden belastbare, zugleich ressourcenschonendere Lösungen erwarten, die sich in bestehenden Prozessen zuverlässig fertigen lassen.

Bassalig Catering zeigte, welche Größenordnungen Gemeinschaftsverpflegung erreichen kann, wenn täglich Essen für Schulen und Kindergärten zubereitet wird. Neben der Menge ging es in den Gesprächen auch um Qualität und den sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln. Gerade bei der Versorgung von Einrichtungen zählen stabile Abläufe: Planung, Hygiene, Logistik und Verlässlichkeit müssen auch dann funktionieren, wenn kurzfristig Schwankungen auftreten – ein Thema, das viele Betriebe unabhängig von ihrer Branche kennen.

Metallbau Belzer stellte die Arbeit eines handwerklich ausgerichteten Betriebs vor, der vor allem individuelle Einzelanfertigungen umsetzt. Das Autohaus Rohringer hob die Bedeutung persönlicher Betreuung und regionaler Partnerschaften hervor. Die Holzmanufaktur SMP Humidore präsentierte sich als junges Unternehmen mit Fokus auf individuellen Möbelbau und Sonderanfertigungen.

Über die Stationen hinweg kristallisierten sich wiederkehrende Themen heraus: wirtschaftliche Rahmenbedingungen, Qualität, Nachhaltigkeit, Fachlichkeit und Zusammenarbeit in der Region. Hinter dem Begriff „Rahmenbedingungen“ stehen aus Unternehmenssicht sehr konkrete Fragen, die im Gespräch schnell zusammenlaufen: ausreichende Flächen, funktionierende Erreichbarkeit und Infrastruktur, verfügbare Fachkräfte sowie bürokratische und organisatorische Anforderungen, die den Betriebsalltag spürbar beeinflussen. Dass solche Punkte bei einem Rundgang branchenübergreifend auftauchen, zeigt, wie ähnlich die Herausforderungen im Mittelstand oft sind – auch wenn die Produkte und Dienstleistungen sehr unterschiedlich sind.

Michael Bauer von der Rosa Kuh berichtete nach Angaben des Landkreises zudem über die schwierige Lage im Lebensmittelbereich. Gerade dort seien kreative Ideen und neue Vermarktungswege besonders wichtig.

Das Format dient vor allem der Vernetzung vor Ort

Der wirtschaftliche Kern von „Walk and Talk“ liegt in der lokalen Anschlussfähigkeit: Betriebe lernen sich in unmittelbarer Nachbarschaft kennen, entdecken mögliche Schnittstellen und senken die Hürde für spätere Zusammenarbeit. Solche Kontakte können im Alltag entscheidend sein – etwa wenn kurzfristig ein verlässlicher Dienstleister benötigt wird, wenn regionale Partner für Projekte gesucht werden oder wenn Erfahrungsaustausch dabei hilft, ähnliche Probleme schneller zu lösen.

Landrat Bernd Obst betonte nach dem Rundgang die Bedeutung des direkten Kontakts. „Beim heutigen Spaziergang hat man gespürt, wie wichtig der persönliche Austausch für unsere Unternehmen ist“, erklärte er nach Angaben des Landkreises. Sascha Übler, Vorsitzender des Gewerbevereins Obermichelbach, sagte demnach: „Der persönliche Austausch ist für Unternehmen vor Ort entscheidend. Wenn man weiß, wer was in der Region macht, entstehen Kontakte und das stärkt den Wirtschaftsstandort.“

Zum Abschluss kamen die Teilnehmer im Restaurant Kalypso von Nikos Ovanesian zusammen. Nach Angaben des Landkreises soll das Format fortgesetzt werden. Die Veranstaltung in Obermichelbach war die zweite Ausgabe von „Walk and Talk“, nachdem die Premiere 2025 im Gewerbegebiet in Veitsbronn stattgefunden hatte.

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