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Jubiläum eines alten kommunalen Ehrenamts

600 Jahre Siebener in Langenzenn: Warum dieser Stein für Frieden sorgt

In Horbach hat Langenzenn ein doppeltes Jubiläum des Feldgeschworenenwesens gefeiert – und damit ein Ehrenamt in den Mittelpunkt gerückt, das im Alltag meist unauffällig bleibt, im Konfliktfall aber entscheidend sein kann. Wo Grundstücksgrenzen verlaufen, wer was nutzen darf und wie Grenzpunkte dauerhaft gesichert werden, ist nicht nur Vermessungstechnik, sondern oft auch Nachbarschaftsfriede.

Feier und Anlass

Am 23. Mai kamen im Langenzenner Ortsteil Horbach mehrere Hundert Feldgeschworene sowie Vertreter aus Politik, Kommunen, Landwirtschaft und Vermessungsverwaltung zusammen. Anlass waren 600 Jahre Feldgeschworene in Langenzenn und zehn Jahre seit der Aufnahme des Feldgeschworenenwesens in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Gefeiert wurde damit nicht allein ein historisches Datum, sondern eine kommunale Funktion, die bis heute praktische Wirkung entfaltet.

Warum das Ehrenamt vor Ort weiter relevant ist

Feldgeschworene, in Franken meist „Siebener“ genannt, wachen über Grundstücksgrenzen, wirken an der dauerhaften Kennzeichnung von Grenzpunkten mit und unterstützen die Vermessungsverwaltung. Die Bedeutung zeigt sich besonders dann, wenn Grenzen nicht mehr eindeutig sind – etwa durch bauliche Veränderungen, unklare historische Markierungen oder unterschiedliche Erwartungen zwischen Nachbarn. In solchen Situationen entscheidet nicht das lauteste Argument, sondern der nachvollziehbare, dokumentierte Grenzverlauf. Wer Grenzen sichtbar und überprüfbar macht, hilft, Streit zu vermeiden.

Für Langenzenn ist das Amt historisch ungewöhnlich früh belegt: Die erste urkundliche Erwähnung der Langenzenner Siebener stammt aus dem Jahr 1426. Die Stadt Langenzenn verweist auf diese Nennung in den Akten des Stadtarchivs und beschreibt das Siebenerwesen als eines der ältesten kommunalen Ehrenämter in Bayern.

Lebenslange Berufung und Anforderungen

Zur besonderen Stellung gehört, dass Feldgeschworene nach Angaben der Deutschen UNESCO-Kommission auf Lebenszeit berufen werden. Erwartet werden eine gewissenhafte, unparteiische Amtsausübung und Verschwiegenheit – Anforderungen, die erklären, warum die Tätigkeit vor Ort Vertrauen genießt: Wo es um Eigentumsgrenzen geht, ist Neutralität keine Zierde, sondern die Grundlage, damit Entscheidungen akzeptiert werden.

Das Siebenergeheimnis

Ein weiteres Merkmal ist das sogenannte Siebenergeheimnis: Bei der Abmarkung von Grenzsteinen können geheime Zeichen verwendet werden, die nur den Feldgeschworenen bekannt sind. In der Praxis dient das als zusätzlicher Schutz gegen Manipulation – nicht als Folklore, sondern als historisch gewachsenes Sicherungsprinzip, das die Verlässlichkeit von Grenzmarken stärken soll.

Die Feier verband Geschichte mit kommunaler Praxis

Schauplatz der Jubiläumsfeier war die Maschinenhalle in Horbach, in der Nähe von Siebenercafé, Siebenerplatz und Freilichtmuseum. Im Laufe des Tages wurde ein Gedenkstein enthüllt: ein mehr als zwei Meter hoher Granitstein, gestiftet von den ortsansässigen Steinmetzen Kai und Oliver Vogel. Solche sichtbaren Zeichen erfüllen bei einem Amt, das meist im Hintergrund arbeitet, eine doppelte Funktion: Sie erinnern an die lange Kontinuität – und sie erklären, warum „Grenzpflege“ für eine Gemeinde mehr ist als eine technische Aufgabe.

Eröffnet wurde der Festtag mit einem Gottesdienst unter Leitung von Dekanin Kathrin Klinger. Das weitere Programm umfasste:

  • Ausstellung
  • Vorführungen mit Vermessungsämtern und Siebenern
  • Kinderprogramm
  • Kutschfahrten zum Siebenerplatz
  • Führungen
  • Filmvorführungen

Damit blieb es nicht bei feierlichen Reden: Die Veranstaltung zeigte, wie das Ehrenamt konkret mit Verwaltungspraxis zusammenhängt – und warum Grenzfragen am Ende immer auch soziale Fragen sind.

Grußworte und Bedeutung

In den Grußworten wurde die Bedeutung des Amtes für den örtlichen Frieden und das nachbarschaftliche Miteinander hervorgehoben. Landrat Bernd Obst würdigte die Arbeit der Siebener als Dienst an der Allgemeinheit. Auch Heimat- und Finanzstaatssekretär Martin Schöffel nahm an der Feier teil. Nina Dederichs vom Deutschen UNESCO-Kulturerbebüro übermittelte ein Grußwort per Videobotschaft. Siebener-Obmann Hans Satzinger hob die Verlässlichkeit jener hervor, die dieses Amt oft im Stillen ausüben – ein Hinweis darauf, wie viel kommunale Stabilität an Menschen hängt, die selten im Rampenlicht stehen.

Bayernweite Bedeutung

Dass das Thema nicht nur lokal von Bedeutung ist, zeigt die Größenordnung im Freistaat: Nach Angaben der staatlichen Vermessungsverwaltung gibt es in Bayern rund 25.000 Feldgeschworene; ein großer Teil davon ist in Franken tätig. Das Ehrenamt ist damit kein Sonderfall einzelner Orte, sondern ein tragendes Element der bayerischen Grenzsicherung, eingebettet in eine moderne Vermessungsverwaltung.

Tradition bleibt bestehen – und verändert sich

Bei der Feier wurde auch deutlich, dass das Feldgeschworenenwesen zwar stark in der Region verwurzelt ist, aber nicht unverändert geblieben ist. In der Region gibt es inzwischen auch Frauen im Amt der Feldgeschworenen. Für ihr Engagement wurden unter anderem Jutta Massl aus Großhabersdorf, Heidi Stinzendörfer und Madeleine Espach geehrt. Für Langenzenn ist dieser Wandel auch konkret sichtbar: Die Stadt hatte bereits 2023 die Vereidigung von Heidi Stinzendörfer und Madeleine Espach als neue Feldgeschworene für die Gemarkung Langenzenn bekanntgemacht.

Die Jubiläumsfeier in Horbach war damit mehr als ein Rückblick auf 600 Jahre Geschichte. Sie machte sichtbar, warum das Feldgeschworenenwesen bis heute eine kommunale Schlüsselrolle spielt: Es schafft Klarheit dort, wo Unklarheit schnell zur Belastung werden kann – und es trägt damit, oft ohne große Öffentlichkeit, zum Frieden zwischen Grundstücksgrenzen bei.

Häufig gestellte Fragen

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